Ein neues, unglaubliches Leben!

Die Begeisterung ist Erika Minich anzuhören: Während der Winter-Reha auf dem Ederhof lernten nicht nur ihre drei gesunden Kinder, sondern auch ihre Tochter Melanie das Skifahren. Dass dies einmal möglich würde, schien viele Jahre undenkbar.

Melanie leidet an einem seltenen Gendefekt, der schon wenige Monate nach der Geburt diagnostiziert wurde. „In der Medizinischen Hochschule in Hannover wurde uns damals direkt erklärt, dass Melanie einmal auf eine Lebertransplantation angewiesen sein wird“, erzählt Erika Minich. So lange wie möglich sollte sie jedoch mit dem eigenen Organ leben. „Das war erstmal schrecklich“, sagt die Mutter. „Wir hatten ja schon drei Kinder, die auch noch klein waren. Unser Leben mussten wir dann ganz neu organisieren.“

Familienleben mit chronisch krankem Kind neu organisiert

So zog die Familie von Kassel nach Minden, wo Verwandte sie unterstützen konnten. Erika Minich gab ihre Beschäftigung als Krankenschwester auf, um die Pflege von Melanie zu übernehmen. Der Vater blieb als Lehrer voll berufstätig. Melanie war körperlich schwach und litt u.a. unter starkem Juckreiz, der sie kaum schlafen ließ.  Einen Kindergarten konnte sie nie besuchen. Mit fünf Jahren bekam das Mädchen eine Magensonde. „Oft hatte sie keine Kraft, um überhaupt aufzustehen“, berichtet Erika Minich. Nach der Einschulung habe sie ihre Tochter daher vor allem zuhause unterrichtet. Als Melanie sieben ist, wird die Transplantation unausweichlich.

Lebertransplantation 2020: Hoffnung mitten in der Corona-Pandemie

Im Februar 2020 erhält Melanie in Hannover eine Spenderleber. Ihr neues Leben kann beginnen – doch die Welt steht Kopf: Deutschland geht im März das erste Mal in den Corona-Lockdown. „Das lief nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten“, sagt Erika Minich, und meint nicht nur die Pandemie: Melanies Körper nahm das neue Organ zunächst nicht gut an.

Rehabilitation nach Organtransplantation: „Endlich mal nicht allein“

Über die Monate geht es Melanie dann besser. Die Familie fährt zur Rehabilitation auf dem Ederhof. „Heilsame vier Wochen für die ganze Familie“, sagt Erika Minich. „Endlich war Melanie mal nicht allein. Sie konnte viel selbstverständlicher mit ihrer Krankheit umgehen und das hat sie sehr gestärkt.“ Die Geschwister hätten sich das erste Mal wirklich mit anderen Betroffenen austauschen können. Der Kontakt zu zwei anderen Ederhof-Familien sei bis heute eng. Auch die Familie selbst habe die Reha noch enger verbunden. „Diese zauberhafte Winterwelt und das gemeinsame Loslassen-Können, das hat einfach gutgetan“, sagt die Mutter. Sie sei dankbar, dass sie das hätten erleben dürfen und dankbar, dass es ihrer Tochter heute so gut gehe. Melanie geht regelmäßig zur Schule. Sie macht Sport und hat Freundinnen und Freunde. „Sie hat ein neues, ein unglaubliches Leben“, sagt die Mutter.

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Ein Aufatmen für die ganze Familie