Ernährung nach der Transplantation

von Dr. med. Eberhard Kuwertz-Bröking


Eine angemessene Ernährung ist wichtig, um die Gesundheit und das Wohlbefinden zu fördern. Dies gilt insbesondere für junge Patientinnen und Patienten nach einer Transplantation: Häufig leiden sie aufgrund ihrer Grunderkrankung oder der Nebenwirkungen medikamentöser Therapien unter erhöhten Blutfett- oder Blutzuckerwerten. Durch die zwingend notwendige Einnahme von Immunsuppressiva haben sie ein erhöhtes Risiko, an Diabetes, Blut­hochdruck oder Fettstoffwechsel­störungen zu erkranken. Eine angepasste gesunde Ernährung ist daher zentral, um die Organ­funktion zu erhalten, Komplikationen zu vermeiden und den Genesungs­prozess zu fördern. Zudem gilt es, einige Besonderheiten bei der Ernährung zu beachten.


Grundregeln der Ernährung nach Organtransplantation

Insbesondere in den ersten drei bis sechs Monaten nach einer Organtransplantation ist im Umgang mit bestimmten Lebensmitteln besondere Achtsamkeit erforderlich. Konkrete Ernährungsempfehlungen können sich je nach behandelndem Transplantationszentrum unterscheiden. Erfahrungs­gemäß sind die Empfehlungen für Patientinnen und Patienten nach Herztransplantation strenger als bei Personen nach Leber- oder Nierentransplantation.

Folgende Grundregeln der Hygiene sowie der Aufbewahrung und Zubereitung, sollten beachtet werden:

  • Beim Kochen immer auf gründliches Händewaschen achten.

  • Kein verschimmeltes Essen verzehren.

  • Alle Lebensmittel kühl und trocken aufbewahren.

  • Tierische Lebensmittel gehören in den Kühlschrank (bei 4–8 °C). Frischen Fisch und frisches Fleisch maximal zwei Tage im Kühlschrank lagern.

  • Marmelade im Kühlschrank aufbewahren und nur mit sauberem Löffel entnehmen.

  • Obst, Gemüse und Salat im Kühlschrank (bei 4–8 °C) lagern und vor Verzehr sehr gründlich waschen bzw. wenn möglich schälen.

  • Fleisch und Fisch stets vollständig durchgaren. Fleisch vor der Zubereitung nicht abwaschen, sondern mit einem Küchentuch abtupfen und anschließend zügig durchgaren.

  • Eier immer hart kochen (ca. 10 Minuten). Keine Speisen mit rohen Eiern (z. B. frische Mayonnaise, Tiramisu).

  • Speisen nicht mehrfach aufwärmen.


Vorsicht bei bestimmten Lebensmitteln nach Transplantation

In der ersten Zeit nach der Transplantation sollten Patientinnen und Patienten bewusst entscheiden, welche Lebensmittel sie zu sich nehmen. Verschiedene Lebensmittel sind besonders häufig mit Keimen oder Pilzen belastet und sollten daher nicht oder nur sehr vorsichtig konsumiert werden. Besondere Vorsicht ist geboten bei:

  • Rohmilch und daraus hergestellten Produkten: Weichkäse, Mascarpone, Feta, Brie, Camembert, Parmesan, Schimmelkäse

  • Geräuchertem Fisch, Rollmops, rohem Lachs, Sushi

  • Nüssen, Kernen und Trockenobst (Pilzbefall möglich), ggf. vor dem Verzehr rösten

  • Frischen Kräutern, Sprossen und rohen Pilzen

  • Mayonnaise-haltigen Salaten

  • Frisch vorgeschnittenen, abgepackten grünen Salaten (je näher am Mindesthaltbarkeitsdatum, desto höher die Keimbelastung)

  • Schalen- und Krustentieren (Krabben, Krebse, Hummer, Muscheln, Schnecken etc.)

  • Belegten Brötchen aus Shops oder Bäckereien

  • Imbissfleisch und Hotdogs

  • Getränken mit Eiswürfeln (etwa 10 % sind durch Eismaschinen kontaminiert)

  • Softeis, abgepacktem Speiseeis und Sahnetorten


Ernährung einige Wochen bis Monate nach der Transplantation

Nach einigen Wochen bis Monaten sind oft deutlich weniger Einschränkungen notwendig. Viele Transplantationszentren lockern die Ernährungsvorgaben. Empfohlen wird dann grundsätzlich eine gesunde und ausgewogene Ernährung:

  • Viel Gemüse und Obst

  • Überwiegend pflanzliche Lebensmittel

  • Verwendung von Olivenöl (wenn möglich)

  • Wenig Zucker

  • Wenig Salz

  • Vollkornprodukte

  • Fertigprodukte möglichst meiden

  • Regelmäßige Mahlzeiten


Lebensmittel mit Wechselwirkungen auf Immunsuppressiva

Wichtig ist es, mögliche Wechselwirkungen von Nahrungsmitteln mit der medikamentösen Therapie im Blick zu behalten. So können Grapefruit und daraus hergestellte Produkte die Wirkung einiger Immunsuppressiva deutlich verstärken. Grapefruit ist eine Kreuzung aus Pampelmuse und Orange. Bestimmte Inhaltsstoffe hemmen Enzyme im Darm, die am Abbau vieler Medikamente beteiligt sind. Durch diese Hemmung werden Medikamente langsamer abgebaut, was zu höheren Blutkonzentrationen und damit zu verstärkten Wirkungen führen kann.

Dies betrifft unter anderem:
Ciclosporin, Tacrolimus, Statine, Verapamil, Nifedipin, Amlodipin und Felodipin.

Die Wirkung von Grapefruit hält lange an. Selbst wenn der Verzehr drei Tage zurückliegt, können noch Wechselwirkungen auftreten. Am stärksten ist der Effekt, wenn Grapefruit etwa vier Stunden vor der Medikamenteneinnahme konsumiert wird. Die Stärke der Wechselwirkung ist individuell unterschiedlich.


Weitere Lebensmittel mit potenziellen Wechselwirkungen

Neben der Grapefruit gibt es weitere Lebensmittel und Pflanzenstoffe, die die Wirkung von Medikamenten beeinflussen können:

  • Granatapfel

  • Bittere Zitrusfrüchte: Pampelmuse, Pomelo (Kreuzung aus Grapefruit und Pampelmuse), Bitterorange (Kreuzung aus Grapefruit und Mandarine)

  • Sternfrucht (Karambole), die eine ähnliche Toxizität verursachen kann

  • Cranberry: kann den Spiegel von Tacrolimus erhöhen (kleine Mengen gelten als unbedenklich)

  • Johanniskraut: verringert die Wirkung einiger Immunsuppressiva

  • Kräutertees: können Wechselwirkungen haben – im Zweifel Rücksprache mit Apotheke oder Ärzteteam halten

  • Lakritz: kann Medikamentenspiegel senken, daher besser meiden oder nur in sehr kleinen Mengen verzehren


Wie erwähnt weichen die Empfehlungen der behandelnden Zentren z.T. voneinander ab und Ernährungsregeln werden mehr oder weniger streng ausgelegt. Bei Unsicherheiten ist es daher empfehlenswert, das Gespräch mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten zu suchen.

Ernährung während der Reha auf dem Ederhof

Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist während der Reha am Ederhof sehr wichtig. Viele Kinder, die an den Ederhof kommen, haben die Freude am Essen verloren. Unter Umständen wurden Sie über einen langen Zeitraum über eine Sonde ernährt und müssen das Essen erst wieder lernen. In manchen Familien ist das Essen mit wiederkehrenden Diskussionen und vielen Sorgen verbunden. Feste Essenszeiten, ein frisches und ausgewogenes Angebot und das Eingehen auf individuelle Vorlieben sind uns während der Reha daher sehr wichtig.

Das Essen wird während der Reha am Ederhof täglich frisch von unseren Köchinnen zubereitet. Der Ederhof verfügt über einen eigenen Therapiegarten sowie ein “Kartoffelfeld”, auf dem verschiedene Ackerfrüchte angebaut werden. Die Köchinnen verarbeiten selbst angebaute Nahrungsmittel und Kräuter und legen bei der Zubereitung viel Wert auf regionale Produkte und Frische.

Ernährungstherapeutische Einheiten mit Kindern und Eltern finden u.a. im Therapiegarten statt und setzen auf ein ganzheitliches Erlebnis. So lernen die Kinder spielerisch, welches Essen ihrem Körper guttut und wie sie es zubereiten.

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Sonnenschutz bei Kindern nach Transplantation