Sonnenschutz bei Kindern nach Transplantation
Von Dr. med. Eberhard Kuwertz-Bröking
Sonnenschutz ist für Kinder und Jugendliche, die Immunsuppressiva einnehmen, besonders wichtig. Kinderhaut ist grundsätzlich dünner als Erwachsenenhaut und enthält weniger Melanin – den Farbstoff, der die Haut vor UV-Strahlen schützt. Daher bekommen Kinder schneller einen Sonnenbrand. Je mehr Sonnenbrände in der Kindheit auftreten, desto höher ist später das Risiko für Hautkrebs.
Kinder und Jugendliche, die Immunsuppressiva einnehmen, sind besonders gefährdet. Diese Medikamente erhöhen die Lichtempfindlichkeit der Haut und damit das Risiko für Hautschäden und Hautkrebs zusätzlich. Ein konsequenter Sonnenschutz ist für immunsupprimierte Kinder und Jugendliche daher unverzichtbar. Kleinkinder im ersten Lebensjahr sollten unabhängig von der Einnahme von Immunsuppressiva vollständig vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden.
UV-Strahlung: Unterschiede zwischen UVA, UVB und UVC
UV-Strahlung wird in drei Typen unterteilt:
UVA-Strahlung macht den größten Anteil aus und dringt tief in die Haut ein. Sie beschleunigt die Hautalterung und fördert die Faltenbildung.
UVB-Strahlung verursacht Sonnenbrand, kann die Erbsubstanz schädigen und erhöht das Hautkrebsrisiko.
UVC-Strahlung erreicht die Haut nicht, da sie von der Ozonschicht absorbiert wird.
Solarien sollten vermieden werden, da sie ebenfalls mit UV-Strahlen arbeiten und das Hautkrebsrisiko erhöhen.
Hauttypen und individuelles Sonnenbrandrisiko
Es gibt sechs Hauttypen – von sehr hell bis sehr dunkel. Helle Hauttypen reagieren besonders empfindlich auf UV-Strahlung und haben ein höheres Risiko für Sonnenbrand und Hautkrebs. Die individuelle Zuordnung erfolgt ärztlich.
Hauttyp I: Sehr helle Haut, oft Sommersprossen, sehr hohes Sonnenbrandrisiko, keine Bräunung
Hauttyp II: Helle Haut, hohes Sonnenbrandrisiko, geringe Bräunung
Hauttyp III: Mittlere Hautfarbe, geringeres Sonnenbrandrisiko, langsame Bräunung
Hauttyp IV: Hellbraune bis olivfarbene Haut, bräunt schnell, verbrennt selten
Hauttyp V: Dunkle Haut, bräunt sehr leicht, selten Sonnenbrand
Hauttyp VI: Sehr dunkle bis schwarze Haut, bräunt sehr leicht, nahezu kein Sonnenbrand
Vorsicht: Auch wenn dunklere Hauttypen nur sehr selten oder gar keinen Sonnenbrand bekommen, sind sie nicht vollständig vor UV-bedingten Hautschäden geschützt.
UV-Index: Wann ist die Sonne besonders gefährlich?
Der UV-Index beschreibt die Intensität der sonnenbrandwirksamen UV-Strahlung. Bei hohem UV-Index kann sich schneller ein Sonnenbrand entwickeln – insbesondere bei ungeschützter Haut. Der aktuelle UV-Index lässt sich in Wetter-Apps abrufen.
Wichtige Hinweise:
Zwischen 11 und 15 Uhr ist die UV-Strahlung am stärksten – in dieser Zeit sollten sich die Kinder möglichst im Schatten aufhalten.
Auch im Schatten, unter Wasser oder im Auto kann UV-Strahlung die Haut schädigen.
Zudem ist zu beachten, dass UV-Strahlen stark reflektieren: Am Wasser, durch Sand, hellen Stei oder Schnee wirkt die Strahlung daher noch intensiver. Auch im Gebirge ist die UV-Belastung höher (pro 1.000 Höhenmeter steigt sie um etwa 10–12 %). Gerade in Urlaubsregionen – und auch bei einer Reha am Ederhof – sollte der Schutz besonders konsequent sein.
Sonnenschutz durch Sonnencreme und Kleidung
Sonnenschutzmittel sind ein wichtiger Bestandteil des UV-Schutzes – insbesondere bei Kindern nach Transplantation. Bei der Anwendung sind folgende Hinweise zu beachten:
15–30 Minuten vor dem Aufenthalt im Freien auftragen
Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor verwenden (LSF 50+)
Ausreichend Produkt verwenden (z. B. etwa ein Teelöffel für den Rücken) – großzügiges Auftragen ist entscheidend
Ohren, Nacken, Nasenrücken und Fußrücken nicht vergessen
Etwa alle drei Stunden erneut auftragen
Nach dem Schwimmen und Abtrocknen erneut eincremen
Geöffnete Sonnencreme ist in der Regel nur ein Jahr haltbar
Nicht nur die Haut, sondern auch die Lippen sind empfindlich gegenüber UV-Strahlung. Empfehlenswert ist ein Lippenpflegestift mit Lichtschutzfaktor (mindestens LSF 30).
Einen besonders wirksamen Schutz vor UV-Strahlung bietet Kleidung. Empfehlenswert sind:
Helle, möglichst lange Kleidung
Ein Hut mit Nackenschutz
Eine Sonnenbrille mit UV-Schutz
Spezielle Kleidung mit ausgewiesenem UV-Schutzfaktor (UPF) bietet zuverlässigen Schutz, insbesondere beim Schwimmen oder bei längeren Aufenthalten im Freien. Dicht gewebte Stoffe schützen besser als dünne Materialien. Nasse Kleidung verliert an Schutzwirkung.
Zusammenfassung: praktische Sonnenschutz-Tipps für transplantierte Kinder und Jugendliche
Ein konsequenter Sonnenschutz ist für Kinder und Jugendliche nach Organtransplantation ein wichtiger Bestandteil der langfristigen Gesundheitsvorsorge. Neben Sonnencreme und geeigneter Kleidung helfen folgende Maßnahmen im Alltag:
Sonnenschutz zur festen Routine machen: Eincremen sollte – besonders in Frühling und Sommer – selbstverständlich zum Tagesablauf gehören, auch bei bewölktem Himmel. UV-Strahlung dringt durch Wolken.
Regelmäßige Hautkontrollen durchführen: Neue oder sich verändernde Pigmentflecken, auffällige Muttermale oder nicht heilende Hautstellen sollten zeitnah dermatologisch abgeklärt werden. Für immunsupprimierte Kinder und Jugendliche sind regelmäßige hautärztliche Kontrollen sinnvoll.
Ein verantwortungsvoller Umgang mit Sonne und UV-Strahlung trägt wesentlich dazu bei, das erhöhte Hautkrebsrisiko nach Organtransplantation langfristig zu reduzieren.