Warten auf eine Organtransplantation

von Prof. Dr. med. Martin Kirschstein


Eine Organtransplantation ist heute die Therapie der Wahl, wenn die Nieren, die Leber, das Herz oder die Lungen nicht mehr ausreichend funktionieren. Dies gilt nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Kinder. Eine Transplantation kann das Leben erheblich verbessern, und sie eröffnet den betroffenen Kindern die Chance auf mehr Gesundheit und Lebensqualität.

Die Organspende kann von einer lebenden Person oder von Verstorbenen stammen. Den rechtlichen Rahmen der Transplantation von Organen menschlicher Spender regelt in Deutschland das Transplantationsgesetz (TPG). Die Vorbereitung zur Organtransplantation wird entsprechend der Richtlinie der Bundesärztekammer für die Wartelistenführung und Organvermittlung begonnen.

 

Lebendspende oder postmortale Spende – welche Möglichkeiten gibt es?

Im Bereich der Nieren-, Leber- und Lungentransplantation ist es grundsätzlich möglich, eine Lebendspende durchzuführen. Rund 20 bis 25 Prozent aller Transplantationen bei Kindern erfolgen in Deutschland mithilfe einer Lebendspende – meist durch die Eltern. Dazu müssen bestimmte medizinische Voraussetzungen erfüllt sein und verschiedene ethische Aspekte berücksichtigt werden.

 

Eurotransplant und die Organvergabe: Wie funktioniert die Warteliste?

Die Vergabe postmortaler Organe erfolgt über die gemeinnützige Stiftung Eurotransplant. Da weniger Organe gespendet werden als benötigt, führt Eurotransplant eine Warteliste.

 

Eurotransplant ist eine gemeinnützige Stiftung, die in acht europäischen Ländern (Belgien, Deutschland, Kroatien, Luxemburg, den Niederlanden, Österreich, Slowenien und Ungarn) für die Vermittlung von postmortal gespendeten Organen zuständig ist.

Jährlich vermittelt Eurotransplant etwa 7.000 Organe (Niere, Herz, Lunge, Leber, Pankreas, Pankreas-Inselzellen). Die Stiftung organisiert die Organverteilung zentral und sorgt für eine faire, transparente und gesetzeskonforme Allokation. In Deutschland arbeitet Eurotransplant eng mit der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Transplantationszentren und Entnahmekrankenhäusern zusammen.

In Deutschland stehen ca. 8.500 Menschen auf der Warteliste. Zwischen 200 und 300 von ihnen sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Genaue Daten gibt es nicht.

 

Voraussetzungen für die Aufnahme auf die Transplantations-Warteliste

Bevor ein Kind auf die Warteliste für eine Transplantation aufgenommen wird, sind verschiedene Voraussetzungen und Untersuchungen notwendig. Hierbei geht es unter anderem darum:

  • festzustellen, ob eine Transplantation medizinisch notwendig ist, d.h. entweder bereits ein endgültiges Organversagen oder eine fortschreitende, das Leben gefährdende Erkrankung vorliegen, für die keine akzeptable Behandlungsalternative besteht

  • mögliche Hindernisse bzw. Kontraindikationen für eine Transplantation auszuschließen,

  • den Impfstatus zu überprüfen, um Infektionen nach der Transplantation zu vermeiden.

 

Die notwendigen Untersuchungen erfolgen ebenso wie die Listung bei Eurotransplant über Ihr behandelndes Transplantationszentrum. In Gesprächen mit dem ärztlichen und psychologischen Team klären Sie Fragen rund um die Langzeittherapie und die verschiedenen Optionen der Organspende. Kinder mit angeborenen Fehlbildungen der Abdominalorgane benötigen nicht selten vor der Transplantation noch eine operative urologische oder chirurgische Vorbereitung.

 

Wie lange warten Kinder auf eine Organtransplantation?

Wie lange es dauert, bis die Transplantation erfolgen kann, ist zum Zeitpunkt der Listung nicht vorhersehbar. Eurotransplant ermittelt auf Basis seiner medizinischen Datenbank für jedes Spenderorgan das bestmögliche „Match“, um Abstoßungsrisiken zu minimieren. Neben dieser medizinische Passung des zu vergebenden Organs sind die Dringlichkeit und die Erfolgsaussicht für den Spendenempfänger sowie die Wartezeit relevante Entscheidungskriterien.

 

Besondere Regelungen für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren gelten dabei hierzulande besondere Regelungen: Sie werden in vielen Fällen bevorzugt berücksichtigt, da Größe, Gewicht und Entwicklungsstand eine besonders genaue Abstimmung zwischen Spenderorgan und Empfänger erfordern. Zudem haben Kinder bei bestimmten Organen, etwa Herzen oder Lebern, eine erhöhte Dringlichkeitspriorität. Dieser „Kinderbonus“ erlischt in Deutschland mit 18 Jahren.

 

Der entscheidende Anruf: Wenn ein Spenderorgan verfügbar ist

Ist ein Kind auf der Warteliste, so müssen die Erziehungsberechtigten 24 Stunden am Tag erreichbar sein. Die Benachrichtigung Ihres Transplantationszentrums, dass ein passendes Spenderorgan für das Kind zur Verfügung steht, kann zu jeder Tages- oder Nachtzeit erfolgen. Das Zentrum organisiert in Abstimmung mit den Erziehungsberechtigten dann den schnellstmöglichen Transport des Kindes.

Die Transplantationsoperation dauert im Regelfall mehrere Stunden – eine Nierentransplantation ca. drei bis sechs Stunden, eine Lebertransplantation ca. fünf bis acht Stunden. Nach der Operation erfolgt eine mindestens 24-stündige (Niere) bis 72-stündige (Leber) Überwachung auf der Intensivstation. Noch während der Operation beginnt die immunsuppressive Therapie, um einer Abstoßung entgegenzuwirken. Nach Verlegung von der Intensivstation bleiben die Kinder üblicherweise noch zwei bis drei Wochen auf einer Normalstation, bevor sie in ihr neues Leben mit dem transplantierten Organ starten.

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